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Interview mit Frau Evers-Meyer zur Kampagne "alle inklusive"

Frau Evers-Meyer, voraussichtlich Ende März tritt in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Sie haben aus diesem Anlass gemeinsam mit den Verbänden im Deutschen Behindertenrat "alle inklusive" ins Leben gerufen. Wie ist die Idee zu dieser Kampagne entstanden?

Evers-Meyer: In New York waren behinderte Menschen und ihre Verbände selbst an der Erarbeitung der Konvention beteiligt und das wollen wir natürlich jetzt fortsetzen. Die Ratifizierung der UN-Konvention ist Rückenwind für Diskussionen hier in Deutschland, denn wir müssen natürlich überprüfen: "Stimmt das, was wir an nationaler Gesetzgebung haben mit den Forderungen der UN-Konvention überein?"

Wenn man einen Blick in die Konvention wirft, steht da zum Beispiel etwas zu Barrierefreiheit und zu vielen, vielen Lebensbereichen. Mir scheint, dass da noch viel zu tun ist. Können Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?

Evers-Meyer: Sie haben eben ein wichtiges Thema genannt. Barrierefreiheit ist natürlich sehr wichtig. Ein anderes Thema, das mir ganz persönlich am Herzen liegt, ist das Thema "Bildung". In Deutschland werden nur 15 % aller behinderten Schülerinnen und Schüler inklusiv beschult. Wenn wir den Blick auf unsere Nachbarländer werfen, dann müssen wir feststellen, dass es dort gelingt 60 – 80 % der behinderten Kinder inklusiv zu beschulen. Und schon allein an diesen Zahlen sehen Sie, dass wir enormen Nachhandlungsbedarf in unserem Land haben. Da muss sich etwas verändern. Da können wir jetzt vor dem Hintergrund der Ratifizierung der UN-Konvention diskutieren.

Es muss sich viel verändern. Die Verbände fordern einiges und sind auch bei der Kampagne "alle inklusive" beteiligt. Was konkret ist geplant im Rahmen der Kampagne?

Evers-Meyer: Wir werden bis Ende März acht Veranstaltungen zu verschiedenen Themenbereichen der UN-Konvention veranstalten. Wir sind in Kiel, in Chemnitz, bis München, in wie gesagt acht verschiedenen Veranstaltungsorten in ganz Deutschland werden wir mit unseren Fachkonferenzen vertreten sein.

Was sind die Themen dieser Konferenzen?

Evers-Meyer: Wir haben natürlich das Thema Bildung, außerdem gibt es Barrierefreiheit, Gesundheit, Frauen mit Behinderungen, Schutzrechte und einige weitere. Alle Themen, die behinderte Menschen im gesellschaftlichen Rahmen interessieren.

Nun scheint es zur Umsetzung ist es noch ein weiter Weg. Wenn mir mal einen Blick in die Zukunft wagen, was meinen Sie, wo stehen wir in zehn, oder vielleicht auch in zwanzig Jahren?

Evers-Meyer; Also wenn ich jetzt ganz optimisitsch bin, dann würde ich sagen, dass wir in zehn Jahren soweit sind, dass alle Eltern wählen können, in welche Schule ihr Kind geht. Dass wir viel mehr Akzeptanz haben, dadurch dass wir uns alle in unserer Vielfalt schon in der Schule kennengelernt haben. Dass es auch möglich ist für behinderte Jugendliche einen Arbeitsplatz auf den ersten Arbeitsmarkt zu finden. Ich hoffe, dass diese Kampagne und die UN-Konvention wirklich ganz viel Rückenwind gibt, so dass es in zehn Jahren wesentlich besser ist."

Ich denke, damit stehen wir nicht allein. Vielen Dank, Frau Evers-Meyer für das Gespräch.


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